Die Tomate weiter werfen

September 22, 2009 at 4:36 pm (Frauenhistorisches, FrauenLesbenPlenum Muenster) (, , , , )

Vielfältig, farbig, feministisch zeigten sich Münsters Frauen und Lesben am Samstag, den 22. August auf der Frauen-Informations-Börse im Rathausinnenhof und im Stadtweinhaus.

P1010593Über 70 Frauengruppen, -Initiativen, -Verbände, Vereine, Kunst- und Kulturschaffende hatten bei strahlendem Sonnenschein ihre Informationsstände aufgebaut und präsentierten, wofür sie sich engagieren, was sie produzieren, wofür sie in der Öffentlichkeit werben, was sie erreichen wollen bzw. anbieten.

Auf Einladung des Frauenbüros waren von den Autonomen FrauenLesbengruppen über die parteipolitisch engagierten und gewerkschaftlich organisierten Frauen bis hin zu den parteiunabhängigen Vereinen und den konservativen oder kirchlichen Frauenverbänden sowie die Internationalen Frauengruppen alle aktiven Frauen Münsters zur Info-Börse „Münsters Frauen machen Mut“ gekommen. Das P1010601Rahmenprogramm im Innenhof wechselte mit Veranstaltungen, Vorträgen, Schnupperkursen und Mitmachangeboten im Stadtweinhaus, um Frauen für weitere Teilnahme oder Mitarbeit zu motivieren.  Alte Bekannte aus frauenpolitisch bewegteren Zeiten trafen sich ebenso, wie jungen Aktivistinnen. Kontakte wurden aufgefrischt oder neu geknüpft, Verabredungen getroffen und neue Ideen für eine Zusammenarbeit angedacht.

Die Ausstellung „Die Tomate weiter werfen …  Feministische Gesellschaftskritik in Münster“ zeigte verschiedenste Aktivitäten der zweiten Frauenbewegung seit den 1960er Jahren und blickte auf 30 Jahre Politik im FrauenLesbenPlenum Münster zurück. Der Titel erinnert an den legendären Tomatenwurf 1968 von Sigrid Rüger, der einen führenden SDS*-Genossen traf, nachdem der Antrag der Genossinnen auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Frankfurt/M., über die P1010604Frauenunterdrückung im eigenen Verband zu diskutieren, abgelehnt worden war. So drückten die Frauen ihre Wut und Empörung darüber aus und riefen zur Bildung von Weiberräten, von Frauen-Emanzipations-Gruppen auf. Diese schossen dann Ende der 1960er Jahre wie Pilze aus dem Boden und gelten als die Anfänge der zweiten Frauenbewegung. Ein unabhängiges freies Leben, sexuelle Selbstbestimmung, das Recht auf Abtreibung sind Forderungen aus den Anfangszeiten, die bis heute aktuell sind. Besucherinnen waren überrascht, dass Ehefrauen bis 1977 ohne Zustimmung ihres Mannes kein Konto eröffnen oder keinen Arbeitsvertrag abschließen konnten. Männergewalt gegen Frauen wurde so lange geleugnet, bis dies durch das nach kurzer Zeit überfüllte Autonome Frauenhaus vor aller Augen sichtbar wurde. Gemeinsame Kampagnen und Aktivitäten zum Internationalen Frauentag, zur P1010607Walpurgisnacht oder Frauen-Kultur-Wochen wurden organisiert, Forderungen an die Stadt gerichtet und auch die Finanzierung von Frauenprojekten durchgesetzt. Eine Frauen-Agenda für das 21. Jahrhundert wurde erarbeitet und Bürgerinnen-Anträge gestellt. Die Frauenorte in Münster zeigen, vieles konnte erreicht werden. So bemerkte eine Teilnehmerin nach der Führung dann auch: „Es hat sich so viel verändert, wie hier zu sehen ist. Doch stehen wir immer wieder am Anfang und müssen neu für unsere Rechte kämpfen, z.B. durch Hartz IV und die Bedarfsgemeinschaften.“

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Wenn FrauenLesben das Erreichte verteidigen oder die gesellschaftlichen Strukturen verändern wollen, dann müssen sie am Ball bleiben bzw. „die Tomate weiter werfen“.

Münsters Frauen und Lesben haben gezeigt, dass sie am Ball bleiben werden.

KAliNE

*SDS = Sozialistischer Deutscher Studentenbund

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